„Kulturschocks“: Die kleinen, aber feinen Unterschiede

Die Nachbarländer Frankreich und Deutschland verbindet eine lange gemeinsame Geschichte und die beiden Kulturen sind sich in einigen Aspekten  ähnlich. Trotzdem kann es sein, dass Euch während Eurem Auslandsjahr kleine Unterschiede auffallen oder Ihr Euch zu Beginn Eurer Zeit in Paris an manche Dinge gewöhnen musst.

„Geschockt“ ist man dabei natürlich nicht, die kulturellen Unterschiede bringen einen vielmehr zum Schmunzeln und sind ja auch genau der Grund, warum wir im Gegenzug dazu gerne die deutsche Kultur und ihre Besonderheiten an die Kinder vermitteln würden.

 

DB und SNCF

Euch wird schnell die Zuverlässigkeit der französischen Bahn auffallen falls Ihr mit dem Zug nach Paris anreist. Vor allem im Vergleich zur Deutschen Bahn ist die französische SNCF oft sehr pünktlich und es empfiehlt sich, wie auf den Tickets angegeben, früh genug am Bahnhof zu sein, da ab 2 Minuten vor Abfahrt die Türen geschlossen werden. Es gibt viele Angebote für Schnellstrecken mit den sogenannten TGVs und sogar Nachtzüge, beispielsweise nach Nizza. Die Tickets bei TGV-Fahrten werden häufig vor Einsteigen in den Zug, ganz wie beim Check-In am Flughafen, kontrolliert. Von Paris aus sind viele atemberaubende Regionen und Städte schnell erreichbar, so kännt ihr während Eures Aufenthalts das ganze Land erkunden.

Französische cuisine und Essensgewohnheiten

Frankreich ist für sein kulinarisches Angebot bekannt und gilt als Land des Genusses. Die weltbekannten Pains au Chocolat, mit deutschen Schokobrötchen kaum zu vergleichen, und Croissants findest Du in jeder Bäckerei. Und auch da liegen Welten zwischen deutschen und französischen Croissants, glaubt uns. Dafür gibt es in Frankreich weniger Auswahl, wenn es ums Brot geht. Hier isst man Baguette und weniger Vollkornbrot, wie wir es in Deutschland kennen und lieben. Und auch Vegetarier*innen und vor allem Veganer*innen müssen sich oft mit einer sehr begrenzten Auswahl abfinden. Die französische Küche ist doch sehr fleischlastig und der Markt für Ersatzprodukte lange noch nicht so groß wie in Deutschland. Aber die gute Nachricht: Paris ist als Weltstadt doch vegetarier*innen-freundlich; in bestimmten Vierteln und Gegenden gibt es viele Restaurants mit vegetarischen und veganen Optionen oder sogar rein vegetarische und vegane Restaurants.

Vor allem im Sommer schätzen Menschen in Deutschland einen Ausflug in die Eisdiele. In Frankreich gibt es zwar Kugel-Eis, aber das uns bekannte Konzept von Eisdielen mit Eisbechern findet man hier nicht. Das liegt daran, dass die italienischen Gastarbeiter dieses im letzten Jahrhundert nach Deutschland gebracht haben, in Frankreich gibt es aber „nur“ das Eis im Pappbecher oder Hörnchen, und das oft auch zu einem etwas teureren Preis. Geht also vor dem Start Eures Auslandsjahres am besten noch einmal mit Freunden oder Familie in die Eisdiele und lasst Euch ein schönes Spaghettieis schmecken, yummi!

Auch beim Thema Getränke kann man im Vergleich Unterschiede feststellen. Während in Deutschland viel Mineralwasser getrunken wird, ist dieses in Frankreich mehr ein Genussgetränk wie etwa eine Limo. Es wird sehr viel mehr stilles Wasser getrunken und das gibt es übrigens auch immer kostenlos in Restaurants zum Essen dazu. Falls es nicht automatisch zu Euch an den Tisch gebracht wird, fragt am besten einfach nach einer „carafe d’eau“, einer Karaffe mit Leitungswasser. Beim Bezahlen der restlichen Bestellung ist es dann weniger üblich als in Deutschland Trinkgeld zu geben.

Bise und Gilets Jaunes

Ein weiterer Kulturschock mag für manche die Art der Begrüßung sein. Während man sich in Deutschland mit einer kurzen Umarmung oder einem einfachen Handschlag begrüßt, ist die „bise“, ein Küssen auf die Wangen, in Frankreich sehr verbreitet.

Oft spricht und diskutiert man in Deutschland auch über die französische Protestkultur. Ob „gilets jaunes“ oder Demonstrationen bezüglich der neuen Rentenreform: die Französinnen und Franzosen protestieren viel und gehen auf die Straßen, um ihre Meinung zu äußern. Proteste gelten als Teil ihrer demokratischen Tradition: mit der Französischen Revolution hat sich gezeigt, dass Aufstände Wirkung zeigen.

RIB und certificats?

Ob beim Beantragen eines französischen Bankkontos oder im Kontakt mit einer/einem möglichen Vermieter*in, man kommt häufig mit Dokumenten in Berührung, die in Deutschland in diesem Kontext nicht üblich sind. Gemeint ist das sogenannte RIB, ausgeschrieben „rélevé d‘identité bancaire“, und ein Zertifikat der sportlichen Tauglichkeit, auf Französisch „Certficat d'aptitude à la pratique sportive“. Für die Bankauskunft muss man sich in Deutschland ein Dokument mit dem eigenen Namen, den Kontodaten (IBAN, BIC) und dem Namen der Bank ausstellen lassen. Für das Sportzertifikat, das aus Versicherungsgründen auch für die Teilnahme an Sportveranstaltungen oder beim Betreten eines Sportvereins verlangt werden kann, muss man sich ebenso mit seiner Ärztin/ seinem Arzt abstimmen und gegebenenfalls bestimmte Tests machen. Beides Dokumente, die in Frankreich standardisiert sind und in Deutschland etwas Abstimmungsbedarf mit der Bank und der Ärztin/ dem Arzt bedürfen.

Auch wenn man sich zu Beginn an kleine Unterschiede gewöhnen muss, kommt man schnell in Frankreich und Paris an und wird gut aufgenommen. Am Ende sind es die kleinen „Kulturschocks“, die einen Aufenthalt in Frankreich und dem Ausland allgemein so interessant und bereichernd machen und uns über unsere eigene kulturelle Identität und Zugehörigkeit reflektieren lassen.

Hast du auch Interesse Frankreich und all seine kulturellen Eigenheiten selbst zu erleben? Mehr Infos zum Auslandsjahr findest du hier. Bewirb Dich gerne für das Schuljahr 2024-2025.

Wenn ihr noch mehr Input zu kulturellen Unterschieden zwischen Frankreich und Deutschland lesen bzw. hören wollt, schaut euch gern die Informationen auf der Seite von www.eurorekruter.com an oder schaut auf deren Blog. Hier gibt es jede Menge nützliche und amüsante Informationen für alle, die sich für deutsch-französische Themen interessieren!

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