Schule und Kinderbetreuung in Frankreich: Maternelle, Mittwoch und lange Sommerferien
Das Schulsystem in Frankreich unterscheidet sich durch seinen zentralistischen Charakter und einige weitere Aspekte grundlegend von dem in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In diesem Blogartikel geben wir Dir einen Überblick über alles wichtige, was es in Bezug auf das französische Schulsystem zu wissen gibt. Mach Dich bereit für einen Schnelldurchgang von der Crèche bis hin zum Bac, en passant par freien Mittwochen und langen Sommerferien.
Das Schulsystem
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Die Crèche, das französische Pendant zur Krippe oder Kindertagesstätte, ist für viele Kinder in Frankreich der erste Betreuungsort. Dort werden die Kleinsten ab einem Alter von 2,5 Monaten bis zu 3 Jahren beaufsichtigt und mit anderen Kindern in Kontakt gebracht. Mit nur 3 Monaten ist der gesetzliche Mutterschutz in Frankreich kürzer als in vielen anderen europäischen Ländern und Familien mit zwei erwerbstätigen Elternteilen sind auf frühzeitige Betreuungsangebote angewiesen. Alternativ zur Crèche betreuen sogenannte „Assistantes Maternelles" (Tagesmütter) eine kleinere Gruppe Kinder in ihrem Zuhause.
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Die École maternelle ist eine Art Vorschule und ersetzt in Frankreich den Kindergarten. Seit dem Schuljahr 2019/2020 gilt eine Schulpflicht ab 3 Jahren – hier werden die Kinder also 24 Stunden pro Woche auf die Grundschule vorbereitet und lernen neben dem Spielen, Basteln, Singen und Turnen die Zahlen, Farben, Formen sowie Buchstaben.
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In der Ecole élementaire, die die französischen Kinder ab dem sechsten Lebensjahr fünf Jahre lang besuchen, ist der/die Klassenlehrer*in die zentrale und es werden Inhalte vermittelt, die mit denen in deutschen Grundschulen vergleichbar sind. Die Klassen dort sind folgendermaßen benannt:
1. Klasse: cours préparatoire „CP“
2. Klasse: cours élémentaire 1„CE 1“
3. Klasse: cours élémentaire 2 „CE 2“
4. Klasse: cours moyen 1 „CM“
5. Klasse cours moyen 2 „CM 2“ -
In Frankreich gibt es nach der Grundschule nur eine gemeinsame Schulform für alle, eine Art Gesamtschule also. Das Collège umfasst vier Jahre und endet mit schriftlichen Prüfungen in Mathematik, Französisch, Geschichte/Geografie und einer mündlichen Prüfung in Kunst. Damit können die Absolvent*innen das Lycée oder eine Berufsschule besuchen. Mit dem Abschluss des Collège und im Alter von 16 Jahren endet die Schulpflicht in Frankreich. Hier durchlaufen die Schüler*innen folgende Klassen:
6. Klasse: Sixième
7. Klasse : Cinquième
8. Klasse : Quatrième
9. Klasse : Troisième -
Das Lycée entspricht der Sekundarstufe II. Mit dem erfolgreichen Abschluss erhalten französische Schüler*innen das Baccalauréat oder kurz Bac, das französische Äquivalent des Abiturs beziehungsweise der Matura und damit die Berechtigung zu einem Studium an einer Hochschule oder Universität. Das Lycée umfasst die letzten drei Klassenstufen:
10. Klasse: Séconde
11. Klasse: Première
12. Klasse: Terminale
Der Mittwoch
1882 waren Kinder in Frankreich bereits für einen Tag von der Schule befreit, um den Religionsunterricht in der Gemeinde zu besuchen. Wegen des Laizität-Grundsatzes gibt es in Frankreich in der Schule nämlich kein Fach Religion. Seit 1972 ist der Mittwoch dafür vorgesehen. Im Jahr 2014 wurde dann auf nationalem Level erstmals die Fünftagewoche in der Schule eingeführt, bevor die Entscheidung der Unterrichtszeiten am Mittwoch ab 2017 wieder den Kommunen überlassen wurde, von denen sich 80% für einen freien Mittwoch an École maternelle sowie École élémentaire entschieden. Am Collège endet der Unterricht mittwochs in der Regel schon mittags gegen 13 Uhr.
Trotz der kürzeren Schulwoche haben französische Schulkinder deutlich mehr Unterricht als Kinder in Deutschland oder Österreich. Insgesamt verbringen sie 864 Stunden an 162 Tagen in der Schule und damit deutlich mehr Stunden an deutlich weniger Tagen als der europäische Durchschnitt. Ein klassischer Schultag beginnt morgens zwischen 8 Uhr und 8:30 Uhr und hört nach 16 Uhr auf.
Am Mittwoch gehen daher viele Kinder zum Sport- oder Musikunterricht. Zudem gibt es die Möglichkeit von außerschulischen Betreuungsangeboten, wie zum Beispiel bei A comme Anders. Einige Sprach- und Kulturvermittler*innen, die hier in Paris bei uns arbeiten betreuen die Kinder mittwochs daher schon am Morgen oder früher am Nachmittag und nutzen die Zeit für Ausflüge, gemeinsames Kochen und Backen oder aufwendigere Bastelprojekte.
Die Ferien
Die Ferien in Frankreich sind dafür im europäischen Durschnitt besonders lang: zwischen 16 und 17 Wochen im Vergleich zu 12 in Deutschland. Dies hängt maßgeblich mit der wichtigen Tourismusindustrie in Frankreich zusammen. Die genaue Dauer und Aufteilung wird für jedes Schuljahr neu vom Staat festgelegt und richtet sich nach den drei französischen Ferienzonen A, B und C. Die Sommerferien dauern insgesamt 8 Wochen und fangen in der Regel Anfang Juli an und enden Ende August.
Die Rentrée und Start des Auslandsjahrs
Anfang September startet mit der sogenannten Rentrée in Frankreich das neue Schuljahr. Nach der Sommerpause kehren nicht nur die Schüler*innen in die Schule zurück, sondern auch in den Unternehmen geht mit der Rückkehr der Eltern und anderer Mitarbeitenden aus dem Urlaub der Alltag wieder los.
Für A comme Anders bedeutet die Rentrée auch den Anfang eines neuen Auslandsjahres. Die Sprach- und Kulturvermittler*innen werden bei unserem großen Kick-Off-Meeting begrüßt, lernen sich untereinander kennen und nehmen an Schulungen zu Themen der Kinderbetreuung und der mehrsprachigen Erziehung teil. Danach lernen sie die ihnen zugeteilten Familien kennen und starten in ein Jahr voller Erlebnisse, Neuentdeckungen und kulturellem Austausch.
Hast Du Lust im nächsten Schuljahr als Sprach- und Kulturvermittler*in zu arbeiten und Kindern in Paris die deutsche Sprache und deutschsprachige Kulturen zu vermitteln? Dann freuen wir uns über Deine Bewerbung!

